WIZO haben wieder Spass

Die Deutschpunker von WIZO waren Helden einer ganzen Generation. Sie standen für: Aufruhr, Rebellion und Spass-Guerilla. Am Freitag, 12. Dezember spielen sie zum ersten Mal seit viereinhalb Jahren wieder in der Schweiz: Im Zürcher Komplex. Sänger Axel Kurth verrät im Interview, wie es sich als gealterter Punker lebt.

Axel, WIZO haben sich 2005 aufgelöst. Fünf Jahre später hast Du die Band aus dem Grab geholt, danach ging erst mal nicht mehr viel. Und dann habt ihr im Sommer aus dem Nichts ein Album rausgeknallt. Wie kam das?
Die Frage ist doch: Warum haben wir uns überhaupt aufgelöst?

Es war so, dass wir keinen Spass mehr hatten, in der Band passte es nicht mehr. Wir hatten damals die wichtigen Dinge im Leben aus den Augen verloren, Businessscheisse hatte bei uns damals einen viel zu hohen Stellenwert.

Jetzt ist der Spass zurück?

Ja, wir haben eine richtig gute Truppe beisammen – auf und neben der Bühne.

Braucht es WIZO denn überhaupt noch, im Jahr 2014? Habt ihr nicht alles schon gesagt?

Das habe ich mir auch überlegt, sehr lange sogar.

CD’s und Platten halte ich für inzwischen überholte Marketingvehikel. 

Warum habt ihr dann ein neues Album gemacht?

Es gab viele Booker, die sagten: Ohne neues Album können wir euch nicht buchen. Da haben wir einen Kompromiss geschlossen und die neue Scheibe in bester WIZO-Guerilla-Manier kostenlos ins Internet gestellt. Ohne Vorankündigung, ohne nichts.

WIZO und Kompromisse, das klingt ungewöhnlich.

Es gibt sicher Leute, die das so sehen. Aber das Album hat uns dann grossen Spass gemacht.

Wie war die Resonanz?

Gewaltig. Am ersten Tag brachen die Server von unserem Label Hulk-Räckorz fast zusammen.

Und auf der Tour?

Es waren nicht alle Läden ausverkauft, aber die Stimmung hat uns fast jeden Abend wirklich weggehauen. Wir sind ja jetzt in gesetzterem Alter und schon ein bisschen runtergerockt. Aber es gibt uns verdammt viel Energie, wenn die Fans so abgehen.

Solche Worte sind wir uns gar nicht gewohnt. Früher hast Du das Publikum noch beleidigt…
Haha, ja. Aber darauf hab ich gar nicht mehr so Bock. Vielleicht mach ich das in Zürich wieder mal, einfach der alten Zeiten Willen.

WIZO war in der Jugend auch darum eine meiner Lieblingsbands, weil ihr provoziert habt ohne Ende. Was ist daraus geworden?

Na ja, man wird älter. Ich habe mir zu Hause eine kleine Oase einrichten können, in denen ich den ganzen Arschlöchern da draussen einigermassen ausweichen kann. Aber nun fahren wir wieder im Bandbus quer durch Europa und ich sehe die ganze Scheisse, die abläuft. Ich muss sagen: Es ist eigentlich gar nichts besser als früher.

Wirklich? Früher musste man bei jedem zweiten Punkkonzert damit rechnen, von Dorffaschos verprügelt zu werden.

Ja, es ist friedlicher geworden. Aber die Probleme haben sich einfach verlagert. Wenn ich dran denke, was in den ganzen Fleischfabriken jeden Tag geschieht, könnte ich kotzen.

Ihr wurdet früher selber massiv angefeindet. Wie war das?

Auf den alten Platten stand immer meine Adresse drauf. Und Bayern ist nun mal das Texas Deutschlands. Da hab ich ein paar Mal ungebetenen Besuch gekriegt, Scheiben wurden eingeworfen und es gab Drohanrufe. Daraus haben wir gelernt. Heute will uns manchmal ein Realschullehrer wegen unserer Texte verklagen, das ist alles.

Als ihr 2010 zurückgekommen seid, habt ihr fast nur grosse Festivals gespielt. Jetzt seit ihr zurück in den Clubs. Wie kommts?

Auf Festivals hab ich keinen Bock mehr. Da liefert man als Band ja nur den Soundtrack zum grossen, kommerziellen Bierverkauf. Der WIZO gehört in die Clubs, da fühlen wir uns wohl.

Jetzt müssen wir dich doch noch drauf ansprechen, wenn sich uns schon mal die Chance bietet. Nach dem Ende von WIZO hast Du damals ja die Musik für diese Schnuffel-Klingeltöne geschrieben, die im TV jede Nacht unsere Ohren vergewaltigt haben. Wie kam das?

Das haben mir in der Punkrock-Community viele übel genommen, ich weiss. Dabei habe ich es geschafft, bei der Musikindustrie für so einen Schrott Geld abzuzocken. Für mich war das unglaublich Punk! Daneben habe ich ja grossartige Musik fürs Theater geschrieben. Schnuffel war Satire.

Was passiert mit WIZO nach dieser Tour? Verschwindet ihr wieder für ein paar Jahre?

Ich habe keine Ahnung. Ich denke, “Punk ist nicht umsonst: Teil III” war unser letztes Album. Aber im Moment haben wir Bock, Konzerte zu spielen, daher denke ich schon, dass wir aktiv bleiben.

Interview: benic

www.facebook.com/wizo.punk

 

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